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| 2.5 Unerkannt unterwegs - ab durchs Tor |
| Geschrieben von: zazengate | |||
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Um es gleich zu Beginn dieses Kapitels zu sagen; Absolute Anonymität im Internet gibt es nicht. Anders lautende Versprechungen werden meist von Herstellern diverser "Anonymisierungssoftware" gemacht - dies entspricht jedoch mehr ihrer Marketing-Maßnahmen, als der Realität. Allerdings gibt es auch wirksame Maßnahmen die eine hohe Anonymität im Netz bieten - wieder einmal ganz ohne teure Software. Wirklich professionelle "paranoide Spinner" verschlüsseln selbstverständlich ihre emails, versenden sie über anonymisierende Remailer - und verwenden TOR (Website (EN/DE) http://tor.eff.org/) Auch wenn sich dieses Informationsblatt an "Normalsterbliche" richtet, soll Tor hier nicht unerwähnt bleiben, seine Nutzung ist für jedermann empfehlenswert der sich der Überwachung widersetzen will. Es läuft auf allen gängigen Betriebssystemen wie Windows, Mac oder Linux Bei TOR handelt es sich um ein Netzwerk verschiedener, weltweit verteilter Rechner, über das man seine Internetverbindung leitet. Dabei erfolgt die Weiterleitung über die Server zu Server nach dem Zufallsprinzip. Aufgrund dieser "schichtweisen" Struktur, ähnlich wie die Schale einer Zwiebel (auf englisch "onion"), nennt man diese Server auch Onion Router. Dank dieses Systems ist es zu keinem Zeitpunkt möglich, den Ausgangspunkt und den Weg des einzelnen Nutzers anhand seiner IP nachvollziehen zu können. Daher ist Tor üblichen "Proxyservern" in Puncto Sicherheit deutlich überlegen. Bei der Verwendung normaler Proxyserver, muss der Surfer dem Proxybetreiber vertrauen, dass dieser seine IP nicht speichert (allerdings tun dies einige, etwa um zu späterem Zeitpunkt der Staatsanwaltschaft diese Daten aushändigen zu können). Da bei Tor mit seiner Struktur niemand weiß woher der Nutzer kommt und wohin er geht, würde eine Speicherung der IP nichts bringen. Es lässt sich praktisch alles "torifizieren" - man kann über Tor nicht nur auf Webseiten surfen, sondern etwa auch die Anmeldung bei seinem Jabber-Server anonymisieren. Der absolute Vorteil von Tor - die Anonymität - hat leider manchmal auch einen ärgerlichen Nebeneffekt Neben vielen ehrbaren Nutzern, missbrauchen auch Script Kiddies und Pseudo-Hacker Tor für ihre Zwecke. So etwa beispielsweise um unerkannt Unfriede stiften zu können. Daher empfiehlt sich auch die Verwendung eines Routers mit Firewall um Belästigungen durch diese zu verhindern. Aus demselben Grund ist, wie im Kapitel über Chats bereits erwähnt, die Verwendung von Tor speziell im IRC nicht gerne gesehen bzw. sogar verboten. Außerdem stehen natürlich Strafverfolgungsbehörden dieser "Tarnung" sehr skeptisch gegenüber, ihre Bedenken gegen Tor folgen dabei scheinbar dem Motto "wer sich versteckt, hat auch etwas zu verbergen". Tatsächlich sind bereits Betreiber von Tor-Servern von der Polizei belästigt worden, da von ihren Rechnern aus Straftaten im Netz begangen worden seien. Es wird hier nicht näher auf die zahlreichen Argumente eingegangen, die man gegen diese Überlegungen ins Felde führen könnte, jedoch soviel sei gesagt: Wenn ein PC-Benutzer seinen Rechner als Tor-Router zur Verfügung stellt und ein bösartiger Internet-Nutzer schließlich eine Straftat begeht kann keiner der Serverbetreiber Auskunft geben, woher er kam - selbst wenn er wollte - denn es ist aufgrund der Struktur dieses Netzwerks schlicht und einfach nicht möglich. Ganz offensichtlich wurde dieses Prinzip von der Staatsanwaltschaft immer noch nicht verstanden - Sie täte daher gut daran, ihre unsinnigen Aktionen gegen Onion Router Betreiber einzustellen. Tatsächlich gibt es (noch) kein Gesetz, demzufolge die Nutzung von Tor illegal oder verboten wäre (allerdings wird an entsprechenden Regelungen gearbeitet) Einziger wirklicher Nachteil von Tor für den Internet-Nutzer ist, dass sich die Verbindung durch das mehrfache weiterleiten drastisch verlangsamt. Würde es mehr Freiwillige geben, die bereit wären ihren PC als Server zur Verfügung zu stellen, würde das Tor-Netzwerk nicht nur noch sicherer werden, sondern auch deutlich schneller (daher würden sich alle Tor-Nutzer über mehr Unterstützung freuen) . Tor ist also nichts für Nutzer langsamer Verbindungen Zur Einrichtung und Installation von Tor, bietet sich für den Anfänger unter Windows das "Vidalia-Bundle" an. Es ist einfach zu installieren und einzurichten und ermöglicht so auch gänzlich unerfahrenen Anwendern diesen Dienst zu nutzen. Eine bebilderte deutschsprachige Anleitung zum Tor-Vidalia-Bundle findet sich unter: http://blau.in/blog/452 Anmerkung: Die Verwendung des ähnlich arbeitenden Dienstes JAP mag zunächst interessant erscheinen, da es sich aber um einen deutschen Dienst handelt, der sich (nach langem Rechtsstreit) dazu verpflichten musste, gegebenenfalls auf richterliche Anordnung die Anonymität aufzuheben, ist er für ernsthaft an Anonymität interessierte User jedoch keine vertrauenswürdige Alternative mehr. Soviel zu Risiken für den Datenschutz durch diverse Programme beziehungsweise deren Anbieter. Wer nun bisher der Ansicht war, er würde über mehr Online-Privatsphäre verfügen als andere Personen, da er keinen der oben genannten Dienste benutze, wird unter Umständen eines besseren belehrt werden. In den folgenden zwei Extras zum Thema, wird aufgezeigt werden, dass alle bisher genannten Umstände zusammengenommen, den Datenschutz vermutlich weniger gefährden, als er es durch die im folgenden geschilderten Bedrohungen bereits in großem Ausmaße ist. Besagte Extras behandeln letztlich alltägliche Dienste, die entweder praktisch jeder Internet-Anwender bereits unzählige Male benutzt hat. oder zumindest Bekannte hat, die es vermutlich beinahe jeden Tag tun - in beiden Fällen, ohne auch nur von der Gefahr die von diesen Konzernen ausgeht etwas zu ahnen. Somit betritt der Leser nun das erschreckende Reich der Online-Dienst-Anbieter - wo Suchhunde ihre Herrchen beißen, die Banken ihren Kunden der Privatsphäre berauben und wo auf virtuellen Flohmärkten der Ausverkauf des Datenschutzes durch Online-Kaufhäuser längst in vollem Gange ist!!!
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