Die Mystik des grünen Balkens

prWer in diesen Wochen die einschlägigen Foren zur Suchmaschinen-Optimierung durchsucht, kann eine seltsame Feststellung machen. Die Gilde der SEOler wirkt dort zuweilen weniger wie ernsthafte Schrauber an Quellcodes, sondern eher als ein streng esoterischer Zirkel, dessen Ehrenmitglied Professor Trelawny sein könnte. Das Objekt der Begierde ist dabei nicht etwa der heilige Gral oder ein Zauberkelch, sondern ein kleiner grüner Balken, der von einer göttlichen Instanz namens Google stammt.

Was ist der Grund dieser Massenhypnose?

Fragen wir doch erst einmal die Wikipedia, was der PageRank (PR) ist: „PageRank (nach einem seiner Erfinder, Lawrence Page und von engl. rank – Rang) ist das von der Internet-Suchmaschine Google genutzte System für die Bewertung der gelisteten Seiten.[…] Das Grundprinzip lautet: Je mehr Links auf eine Seite verweisen, um so wichtiger ist sie. Je wichtiger wiederum die verweisenden Seiten sind, desto größer ist der Effekt. Der PageRank-Algorithmus versucht dabei einen zufällig durch das Netz surfenden User nachzubilden. Die Wahrscheinlichkeit mit der dieser auf eine Webseite stösst korreliert mit dem PageRank.“

Nun ist die Bedeutung des PageRank seit Anfang 2004 zurückgegangen.  Nichtsdestotrotz soll er weiterhin Vorteile bringen, da Google Seiten mit hohem PR öfter und tiefer spidern soll. Dann ist da noch der Nimbus, den der PR sich selbst vererbt hat. Und schließlich das „Google-Geheimnis“: niemand ausserhalb dieser Firma weiss so wirklich genau, welche Algorithmen Google gerade wieder austüftelt und für die Positionierung von Seiten anwendet. Schließlich möchte Tante Goo verhindern, dass findige Webmaster dieses Wissen sofort wieder für ihre Zwecke anwenden. Dadurch entsteht Raum für Spekulationen.

Während der PageRank früher einmal im Monat neu berechnet wurde, hat sich dieser Zeitraum aufgrund der steigenden Masse von Internetseiten immer weiter nach hinten verlagert.  Zuletzt lag er bei über 100 Tagen. Der nächste Zeitpunkt, da der PR in die Google Toolbar exportiert werden soll, wurde auf den 25.01.2006 geschätzt. Der Moment der Wahrheit für SEOler um zu schauen, wie wirksam ihre Strategien waren. Doch wie so oft: der langersehnte Moment kam… und nichts passierte.

Während nun also Baldrian und andere Beruhigungsmittel einen saisonalen Aufschwung verzeichnen sollten, den sich kein Doc Morris dieser Welt erklären könnte, die Zahl an Herzinfarkten in Verbindung mit einer Flatrate ansteigt, starren die Überlebenden morgens in die Überreste ihres Kaffeesatzes, drohen den Innereien des AIBO mit dem Fleischermesser oder ziehen Schlüsse aus dem Flug von BlueRay-Disks. Beobachten jedes Zucken des Balkens, vergleichen PR-Predictions und checken die DataCenters. Bis die werdenden Väter irgendwann durch den Schrei erlöst werden: „Er ist da und es ist ein 6er“.

Ach ja: Ich warte natürlich auch 🙂

Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

  1. Jo, das sind ja mal wieder Wortspiele und Anregungen, die mir gefallen "esoterischer Zirkel", "-)er heilige Gral oder Zauberkelch", "göttliche Instanz", "Kaffeesatz" (auch wenn dieser jetzt nicht in Bezug auf Kaffesatzlesen gemeint war) … bei solchen Assoziationen lebt die Fantasie des Psychic SEO richtig auf 😉

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