SEO als ODP-Editor?

Editor-DashboardUnter Webmastern – und hier vor allem
unter jenen, die Suchmaschinen-Optimierung (SEO) betreiben – wird
die Bedeutung des Open Directory Project (ODP) als relativ hoch
angesehen. Dies hat mehrere Gründe: 

  • Die Inhalte des ODP dienen der
    derzeit wichtigsten Suchmaschine Google als Basis des eigenen
    Verzeichnisses – des Google Directory. Dort werden Seiten nur dann
    geführt, wenn sie im ODP gelistet sind. Auch zahlreiche andere Portale und Suchmaschinen greifen auf diese Daten zurück, so dass ein Eintrag im ODP eine starke Zunahme der Domainpopularität bedeutet.

  • Oftmals übernimmt Google vom
    ODP Seitentitel und -beschreibung, was wiederum Einfluss auf die
    Platzierung der Seite in den Suchergebninssen (SERPs) haben kann.

  • Sowohl ODP als auch Google
    Directory haben einen hohen PageRank (PR, Wertigkeit), den sie auf
    die gelisteten Seiten vererben können. Allerdings ist das Maß
    der PR-Vererbung auch abhängig von der Menge der Links auf
    einer Verzeichnisseite – bei 20 oder mehr Listings nivelliert sich
    dieser Effekt.

  • Viele Anhänger der
    Sandbox-Theorie vertreten die Ansicht, dass ein Link seitens einer
    von Google als vertrauensvoll eingestuften Seite dabei hilft, dem
    Sandbox-Effekt zu entgehen bzw. diesen Zustand schneller zu beenden.
    Dabei gilt das ODP in diesem Zusammenhang als „Thrusted Site“.

Als Editor in der Öffentlichkeit 

Anhand dieser vier Punkte scheint es
für viele SEO’ler also erstrebenswert, ihre Seiten im ODP
vorzufinden. Ich selbst bin in einigen SEO-Foren unterwegs und mache
keine Hehl aus meiner Tätigkeit für das ODP. Seit Anfang
2006 werden wir Editoren sogar offiziell dazu ermuntert, Flagge zu
zeigen: „Editiere, und lass es die ganze Welt wissen!“ Nur wenn
wir öffentlich für unsere sinnvolle Arbeit eintreten und
sie transparent gestalten, können wir Vorurteilen und Gerüchten
so gut als möglich begegnen.

So bekam ich in Foren bereits private
Nachrichten mit der Bitte, etwas für das Listing der Seite im
ODP zu tun. Oder es gab allgemein Unterstellungen, dass Editoren doch
sicher etwas für ihre eigenen Seiten tun können. Was mich
zu der klassischen Carrie-Bradshaw-Fragestellung bringt, die diesem
Artikel seinen Titel gab: „Kann man gleichzeitig
Suchmaschinen-Optimierer und ODP-Editor sein?“

Wenn Menschen etwas von außen
betrachten, projizieren sie gern ihre Wünsche und Erwartungen.
Der 16jährige Junge ohne Hauptschulabschluss, der keine
Lehrstelle findet, wäre am liebsten Chef, käme gern in den
Genuss von Ansehen und Macht. Übersieht in seinen Träumen
aber, dass ein Geschäftsführer auch Pflichten hat und
Verantwortung trägt. Ähnlich ist es mit der
Editorentätigkeit beim ODP.

Richtlinien und Selbstverständnis 

Spätestens wenn ich mich als
Editor in mein Dashboard einlogge, meine persönliche
Verwaltungszentrale betrete, bin ich in erster Linie eines: Editor.
Das bedeutet, dass ich den Guidelines verpflichtet bin, den
Richtlinien meiner Arbeit. Und nicht nur das: kein Editor ist eine
Insel, sondern Teil eines größeren Ganzen, des
Editor-Netzwerkes. So wie die Guidelines für alle Editoren
gelten, gibt es Absprachen innerhalb der Kategorien, wie diese
Richtlinien hinsichtlich der betreffenden Kategorien angewendet
werden sollten. World/Deutsch/Regional hat teilweise andere
Erfordernisse im Umgang mit Listings wie World/Deutsch/Gesundheit. Um
diese Absprachen wird teilweise in längeren Prozessen gerungen –
bis sie am Ende eines Diskussionsprozesses für alle betroffenen
Editoren verbindlich sind.

Ich selbst bin in einer für
Webmaster scheinbar glücklichen Lage: ich betreue Kategorien, in
denen ein Teil meiner eigenen Websites, ja sogar der ein oder andere
Kunde gelistet ist. Doch ist dies nicht verwunderlich, schließlich
handelt es sich um Gebiete, in denen ich Fachmann bin – und
natürlich werden meine Interessen durch meine Webseiten wieder
gespiegelt, während ich gleichzeitig dadurch fachlich in der
Lage bin, die Inhalte meiner Kategorien einzuschätzen.
Persönliche oder berufliche Vorteile bringt mir dies allerdings
nicht, wenn man einmal davon absieht, dass ich so fachlich relevante Seiten kennenlerne, die mir zuweilen unbekannt sind.

Mein Selbstverständnis als Editor
zwingt mich sogar oftmals zu Handlungen, die dem SEO’ler in mir die
Tränen in die Augen treiben. Bei einer gnadenlosen Überarbeitung
meiner Hauptkat Anfang 2006 musste ebenso der Eintrag der Seite
überarbeitet werden, über die ich meine Seminartätigkeit
promote, wie auch die Seite eines Kunden, für den ich wenige
Monate zuvor eine Suchmaschinen-Optimierung durchgeführt hatte.
Die Einstufung dieser beiden Seiten in neugeschaffene, PR-technisch
wesentlich niedrigere Kategorien dürfte negativen Einfluss auf die
PR-Vererbung, die Anpassung der Seitentitel an aktuelle Standards
möglicherweise negativen Einfluss auf die SERP’s haben.

„Erzähl uns nichts“, höre
ich einen fiktiven SEO-Kollegen grinsen, „du hast doch bestimmt
Vorteile. Ich warte schon ewig auf die Aufnahme meiner Seite, bei dir
geht es bestimmt zügig.“

Gewusst wie – die korrekte Anmeldung 

Auch hier mag der Kollege irren.
Sicher, ich kann ein neues Projekt, das in eine von mir betreuten
Kategorie gehört, sofort aufnehmen. Aber das tue ich im Rahmen
der Aktualisierung meiner Kat, wenn ich sowieso alle anderen von
außen eingereichten Seiten bearbeite. Zudem aktualisiere ich in
unregelmäßigen Abständen eine interne Liste der
Seiten, für dich ich verantwortlich bin. Dadurch sehen alle
Editoren meine Verbindungen und können die Korrektheit meiner
Arbeit überprüfen. Diese Liste ist nur ein Instrument, um
möglichen Missbrauch einer Editorentätigkeit zu verhindern.
Schließlich gab es in der Vergangenheit immer mal Webmaster,
die den Editierjob nur zur Promotion eigener Webseiten ausüben wollten.
Als ich solches in einer untergeordneten Kat
entdeckte, nahm ich die Änderungen desjenigen zurück. Er
war dann auch nicht länger Editor des ODP.

Wenn ich Seiten in einer Kategorie
anmelde, die nicht von mir betreut wird, vielleicht gar keinen Editor
hat, muss ich vielleicht genau so lange warten wie jeder andere.
Allerdings habe ich einen Vorteil, den Lohn mittlerweile fünfjähriger
ehrenamtlicher Tätigkeit fürs ODP: ich weiß, wie ein
Editor sich eine Neuanmeldung wünscht.

Wenn mal wieder ein Webmaster in einem
Forum klagt, dass seine Seite einfach nicht aufgenommen wird, und auf
das ODP schimpft, stellt sich oftmals heraus, dass er die
Anmelderichtlinien nicht gelesen oder sonstige Fehler gemacht hat.
Ich dagegen sorge dafür, dass mein Eintrag optimal vorbereitet
ist – schließlich kostet Editieren Zeit und jeder Editor
freut sich, wenn eine Seite in der genau passenden Kategorie
angemeldet ist (was nach meiner Erfahrung die wenigsten Webmaster
schaffen und was sonst für eine Odyssee des Eintrags sorgen
kann). Ich beherrsche mein Handwerk, eine Seite objektiv mit ihren
Features zu beschreiben. Wie viele Webmaster spammen dagegen das
Beschreibungsfeld oder gar das des Seitentitels mit Keywords zu,
preisen die Seite marktschreierisch an oder liefern nichtssagende
tagebuchartige Einträge in der ersten Person Singular. Von
Grammatik und Rechtschreibung ganz zu schweigen („Meine Seite ist
Beste für Handy und meine Kumpel hört liebste Klingelton von
die…“).

Doch im Grund könnte jeder
halbwegs mit Grips begabte Webmaster dasselbe leisten wie ich –
indem er sich die Mühe machen würde, die
Kategorie-Richtlinien zu lesen und anhand der Beschreibung der
bereits gelisteten Seiten einen Standard zu erkennen und diesen
umzusetzen. Solche potentiellen Neuaufnahmen werden gern
durchgewunken. Das ist etwas anderes als die Maßnahmen der Spezialisten, die eine
Domain im Verzeichnis anmelden, die außer einer Navigation noch
gar keine Inhalte hat…

Letztendlich kommt mir als SEO’ler also
nicht der interne Zugang zum ODP zu Gute, sondern die Erfahrung und
Profession des Editors. Dass dies zu meinen Skills als SEO-Anbieter
gehört, ist nicht zu bestreiten. Wobei es mittlerweile viele
Verzeichnisse mit PR-Vererbung gibt. Das ODP mag das Wichtigste sein,
aber auch woanders freuen sich die Betreiber – die oftmals auch
alleiniger Editor in Personalunion sind – über korrekte
Anmeldungen.

So bleibt mir die Einsicht, dass sich
SEO und ODP problemlos verbinden lassen. Und zwar genau dann, wenn
der Editor etwas mitbringt, das ich mit Ethik und Arbeitsmoral
tituliere. Letzteres steht für das befriedigende Gefühl,
einen wirklich guten Job als Editor zu machen. Und das erste dafür,
mir selbst jeden Morgen und jeden Abend im Spiegel in die Augen
schauen zu können.

Kommentare (3) Schreibe einen Kommentar

  1. mir kommen die Tränen … Die Editoren die ich kennen lernen durfte sind arrogant und fühlen sich wie Götter. Wenn man die nicht in den Hintern kriecht, blitzt man ab.

  2. Das sehe ich genau so. Sie haben Ihre eigenen Seiten gut platziert und lassen die „Konkurrenz“ einfach abblitzen. Das ODP ist von uns Seitenbetreibern nur noch akzeptiert, weil es von Google hoch angesehen ist. Ich frage mich aber warum? Kaum Transparenz bei den Einträgen und ein normaler Surfer nutzt es eh nicht …

    Ich versuche seit ca. 12 Monaten 2 Seiten unterzubringen und habe bis heute nicht mal eine Rückmeldung bekommen…

  3. Ich würde gerne Positiveres berichten, aber, ich habe unseren Kleinanzeigenmarkt "www.euroexchange.de" in den letzten – 8 J A H R E N – genau 3 mal versucht eintragen zu lassen – jeweils im Abstand von 1 bis 2 Jahren und erhielt ebenfalls keine Rückmeldung. Ich glaube auch nicht mehr daran jemals aufgenommen zu werden. Gründe dafür sind mir jedoch unbekannt, würden mich aber sehr interessieren.

    Weiterhin gutes Gelingen 😉

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