Erfahrungen mit Joomla 1.5 – Installation und Konfiguration

Bereits mit einer Beta von Joomla (Beta 2?) hatte ich ein wenig experimentiert, die öffentlich zugängliche Test-Installation dann aber durch 1.0.13 ersetzt. Nachdem mittlerweile der vierte – und vielleicht gar letzte – Releasekandidat erschienen ist, ist es Zeit für einen ausgiebigen Test.

Installation bei 1&1 und all-inkl.de

Diesmal installierte ich Joomla bei 1&1, was besonders easy ist aufgrund der Rechteverwaltung und des fehlenden wwwrun-Problems. Dafür gibt es leider keine Möglichkeit, register_globals auf off zu schalten – das einzig wirklich nervende bei 1&1. Eine diesbezügliche, mittlerweile gewohnte Warnmeldung findet sich später allerdings nicht im Adminbereich. Eine zweite Installation erfolgt bei all-inkl.de.

Nicht ganz überzeugend ist die Entscheidung zwischen MySQL 4 und MySQL5. 1&1 warnt nun bereits seit ca. zwei Jahren bei der Einrichtung der Datenbanken vor dem Einsatz von MySQL5. Hallo, hat sich seitdem etwa nichts getan? Eine Recherche bei joomla.org und joomla.de, welche Version denn nun empfohlen wird, bringt ebenfalls keine Ergebnisse. Die FAQ’s dort sind brutal dünn. Also nehme ich mal wieder MySQL4, zumal MySQL3 als Mindestvoraussetzung angegeben ist.

Der eigentliche Installationsprozess war schon immer easy und fühlt sich jetzt noch besser an. Eine unglaubliche Erleichterung: Die Rechtevergabe für die ganze Ordnerstruktur entfällt. Dies wird vielen Einsteigern die ganze Sache wesentlich erleichtern. Die einzige Seltsamkeit: Bei der Sprachauswahl kann ich mich nur zwischen de-AT und de-CH entscheiden. de-DE existiert nicht. Die Entscheidung, ob ich nun Österreicher oder Schweizer bin, fällt schwer, und die Versuchung ist groß, einfach Englisch zu wählen, bevor mir eine unbekannte landestypische Eigenart einen Strich durch die Installation macht. Trotz deutscher Altlasten versuche ich es dann doch mutig mit German (AT).

Komfortable Verbesserungen wären, wenn man bei der Installation bereits einen Benutzernamen des Administrators vergeben könnte statt admin (stört mich bei WordPress ebenfalls) und vielleicht gar gleich oder später via Backend eine htaccess erzeugen könnte, die den Ordner /administrator/ absichert.

Die zweite Installation wurde mit Beispieldaten durchgeführt. Hier meckerte das System gleich zu Anfang das Beschreiben der configuration.php an, so dass ich diese erzeugte. Ein Fehler, wie sich herausstellte, da dann das Einspielen der Beispieldaten zu einer Fehlermeldung führt.

Joomla!-Backend

Danach geht es zuerst ins Backend. Dumm, dass der Adminbereich nicht auf meinen 17zölligen 1024×768 Monitor passt, sondern horizontal gescrollt werden muss. Ansonsten hat sich die Anmutung gegenüber dem letzten Installationstest definitiv verbessert. Damals zog ich Joomla 1.0.x definitiv vor.

Der erste Blick führt wie immer in Global Configuration. Inhaltlich hat sich hier wenig geändert, dafür ist die Kategorisierung kompakter. Und die Aktivierung der SEO Settings sorgt immerhin dafür, dass beim Klick auf „Home“ nur die Domain angezeigt wird, nicht die Frontpage-Komponente. Da freut sich der von Joomla! bislang eher etwas stiefmütterlich behandelte SEO doch bereits über eine solch nette Kleinigkeit. Interessanterweise meldet sich Joomla im Systeminfo mit „Joomla! 1.5.0 Production/Stable [ Karibu ] 19-December-2007 19:00 GMT“. Ein RC als stable?

Ansonsten: Der Adminbereich ist noch übersichtlicher als bisher, was an sich schon kaum zu toppen war. Gerade die Menüpunkte wirken noch aufgeräumter. Besonders verändert ist der Bereich Content. Static Content & Co sind verschwunden, stattdessen findet sich ein Article Manager, der beim Erstbesuch doch ein wenig erschlägt gegenüber der früheren Contentverwaltung.

Installation mit Beispieldaten und Suchmaschinen-Optimierung

Bei der zweiten Testinstallation mit Beispieldaten bei all-inkl.de zeigten sich die Besonderheiten der 1.5 noch deutlicher: Die SEO-Funktion ist nun erstmals ausgewachsen und bringt sprechende URL’s hervor. openSEF scheint also bei normalen Projekten nicht mehr wirklich nötig – wieder eine Komponente gespart, die nur Unsicherheiten ins System bringt. Mit der Aktivierung von „Add suffix to URLs“ erhält man richtig normal klingende URL’s wie http://cms.mainhosting.de/the-news/1-aktuelles/1-willkommen-zu-joomla.html hervor. Dabei zeigt sich, dass Joomla im Frontend den Title anzeigt, für die sprechende URL aber den Alias nimmt. Da werden alte Träume wahr 🙂 Änderungen beim Alias werden sofort in der URL umgesetzt. Unangenehm ist natürlich, dass sich bei einem Update auf 1.5 nun wieder sämtliche URL’s ändern, neu gespidert werden müssen und Deep-Backlinks ins Leere gehen. Nur mit den Item-ID’s und Duplicate Content wird weiterhin geschlampt. (Nachtrag siehe unten)

Auch die Sache mit dem static content klärt sich. Diese items sind nun content ohne zugeordnete Kategorie (Uncategorized Articles), während items nun einfach Artikel heißen. Super, denn oftmals waren Kunden aufgrund dieser Begrifflichkeiten irritiert, wenn ein dynamisches System statische Inhalte zu produzieren vorgab.

Extension Manager

Ebenfalls stark verändert ist der neue Extension Manager. Unter install/uninstall liegen nun Components, Modules, Plugins (die ehemaligen Mambots), Languages und Templates beieinander. Sehr schön. Die beiden neuen Templates sind gegenüber früher optisch für mich nicht unbedingt der Burner, wirken aber dafür ebenfalls wesentlich klarer – und die Deaktivierung und Löschung nicht benötigter Module bei der Installation ohne Beispieldaten scheint nicht mehr nötig. Wobei das Template von rhuk durchaus ein wenig mehr Richtung Web2.0-Feeling geht als die Alten und das beez-Template von Angie Radtke/Robert Deutz Accessibility fördert – wobei Tidy ausgerechnet diese Möglichkeiten anmeckert und damit die Validität in Frage stellt.

Schauen wir doch beim nächsten Mal, wie es mit der Erstellung eigener Templates aussieht. Und später dann den Test mit der Migration von einer bestehenden 1.0.12-Installation. Insgesamt gesehen bin ich von 1.5 jedenfalls bislang positiv überrascht. Die zeitweiligen Abwanderungen aufgrund von Zerwürfnissen innerhalb des Joomla!-Teams aufgrund von klaren Bekenntnissen zu Open Source scheinen verfrüht gewesen zu sein. Meine Hoffnung auf ein Weiterbestehen von Joomla! und dessen klarem Konzept scheint sich zu erfüllen.

Nachtrag: Die Hoffnung mit der integrierten SEO-Einstellung haben sich leider doch nicht erfüllt. Nach dem Logout zeigte sich, dass Joomla 1.5 nun auf die veraltete Technik der Session-ID’s in URL’s zu setzen scheint; für Suchmaschinen-Optimierer und Suchmachinen ein Graus. Hoffentlich findet sich hier ein Workaround. Ansonsten kommt man um eine SEO-Komponente dann weiterhin nicht herum.
Nachtrag 2: Dieses Phänomen tritt nur bei einer der beiden Joomla-Installationen auf und auch da nur zeitweise. Ich habe es unter dem Titel „Session ID’s bei Joomla 1.5 mit Firefox und Opera?“ im Joomlaboard-Forum beschrieben, aber keine Antwort erhalten. Es scheint sich also eher um eine Ausnahme zu handeln.

Kommentare (5) Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Hosting Blog » Blog Archive » Test Joomla 1.5 - Content, Startseite und Navigation

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  3. Empfehlenswert ist Joomla auf jeden Fall. Es ist zwar komplex und manchmal, wie oben beschrieben, „schwierig“ richtig zu konfigurieren, es lohnt sich aber.

  4. Hallo, für mich ist Joomla eines der besten CMS, die es im Moment am Markt gibt. Vor allem beeindruckt mich immer, wie viele Leute zur Verbesserung des Programms beitragen und welche Erweiterungsmöglichkeiten es gibt. Die aktuelleren Versionen sind ja auch schon viel besser, als das 1.5.

  5. Ich finde erlich gesagt, dass viele CMS darunter vor allem auch joomla einfach viel zu groß sind. Ich hab mir Joomla auch mal angeschaut und war echt abgeschreckt was da alles einzustellen ist. Da hab ich mir dann mein eigenes überschaubares CMS gebastelt. Das hält auch und ist 100mal indivdueller einzurichten als jedes andere CMS. Dauert aber halt auch seine Entwicklungszeit.

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