Schüler und Studenten erstellen Webseiten mit Joomla

Kürzlich suchte ich Hilfskräfte, um Content in Joomla-Installationen einzupflegen. Es meldeten sich vor allem Studenten, die mir ihre Arbeitsproben im Web angaben: Joomla-Seiten, die sie in der Regel für Kunden realisiert hatten. Die ca. zwölf Internetpräsenzen mögen nicht repräsentativ sein, ergaben aber einen interessanten Einblick im Vergleich mit Seiten, die von Profis erstellt wurden.

Grafikdesign und Joomla-Templates

Der erste Eindruck ist natürlich das Layout. Ich habe nicht nachgeprüft, inwieweit die Templates von kostenlosen Download-Seiten stammten oder selbst erstellt worden sind. Man merkte auf jeden Fall das Fehlen eines professionellen Grafikdesigners. Zu wenig aus einem Guss, zu wenig Layoutverständnis. Dazu bei der Umsetzung der Templates mangelnde Validität aufgrund von Unsauberkeiten in der Templateprogrammierung oder mangelnde Kompatibilität mit Browsern wie dem Internet Explorer 6 oder umgekehrt gar Firefox. Da wurde wohl der Browsercheck unterlassen. Besonders beliebt ist auch das Fehlen schöner Kleinigkeiten, wie man schnell am Joomla-Favicon sieht.

Konfiguration, Suchmaschinen-Freundlichkeit und Sicherheit

Auch die eigentlichen Punkte im Kontext Joomla waren nicht überzeugend. Die Webseiten selbst waren aufgrund jeglichen Verzichtes auf mod_rewrite suchmaschinen-unfreundlich bzw. hinsichtlich der Ãœbermittlung von URL’s in eMails auch benutzer-unfreundlich (einfach mal weniger erfahrenen Computer-Nutzern eine längere URL mailen, die das Programm umbricht und dadurch nicht durch einfachen Klick zu öffnen ist). Also eindeutige Schwächen hinsichtlich Konfiguration und Suchmaschinen-Optimierung.

Besonders delikat ist das Thema Sicherheit. Ich schaute nicht hinter die Kulissen, könnte aber schwören, dass in der Regel nicht die aktuellste Joomla-Version online war. Den Vogel schoss eine Installation ab, die trotz Realisierung in 2007 eine uralte Komponente von Arthur Konze einsetzte. Jedenfalls habe ich alle Installationen in Verdacht (bei der ein oder anderen bin ich auch sicher), dass sie leichtes Opfer für türkische Hackercrews sind, die sich auf Joomla spezialisiert haben.

Kunden

Sicherlich waren diese Seiten günstig in der Erstellung. Einer erzählte mir von 1000 Euro, der Rahmen dürfte bereits bei Null Euro beginnen, wenn der Kunde zugleich auch guter Kumpel ist. Dies betrifft beispielsweise Webseiten für Musiker oder DJ’s, die einfach kein Budget haben und froh sein können, wenn ihnen jemand das Ding für umme ins Netz stellt und dafür freien Eintritt zu ihren Konzerten hat. Für diese Zielgruppen waren die Seiten völlig okay.

Bei einigen der Internetpräsenzen handelt es sich aber tatsächlich um Business-Seiten, die sich an Kunden wenden. Dass hier am falschen Ende gespart wurde, halte ich für bedenklich. Aber ich gehe davon aus, dass die Kunden es einfach nicht besser wissen. Sie können sich ihre Seite anschauen und wenn sie klicken, funktioniert das Teil. „Hey, toll!“ Wenn dann jemand wie ich von Corporate Design, Sicherheit oder Suchmaschinen-Optimierung redet, verstehen manche die Welt nicht mehr.

Kalkulation

Studenten haben natürlich eine ganz andere Finanzplanung als eine Agentur. Während sie über einen nicht unerheblichen Freibetrag pro Semester verfügen (ich schätze, es dürfte noch ähnlich sein, wie zu meinen Studi-Zeiten), habe ich einen Gewerbebetrieb am Laufen. Während die Lebenshaltungskosten bei Studenten relativ niedrig sind, habe ich eine eigene Familie. Sobald ich den Schritt wage, mit meiner Agentur eigene Geschäftsräume zu beziehen, wird die Kluft noch größer. Klar, dass da eine Joomla-Präsenz für ein paar hundert Euro bereits ein guter Deal für Studenten und eben auch attraktiv für Kunden ist.

Best practice

Es geht hier nicht darum, jemanden runter zu putzen. Sondern anhand einiger geprüfter Seiten, einen Ist-Zustand zu vergleichen und zu schauen, wie es besser laufen könnte.

Fakt ist: Es gibt Studenten, die – gerade in Zeiten unsinniger Studiengebühren wie hier in Hessen – etwas dazu verdienen möchten. Während der Studienzeit erworbene Kompentenzen verbessern dazu definitiv die späteren Chancen auf dem Arbeitsmarkt oder eröffnen gar völlig neue berufliche Perspektiven. Allerdings erfüllte keine der getesteten Internetseiten meine Standards – sie erinnerten mich mit etwas Wohlwollen eher an meine erste Mambo-Seite, die ich 2005 für meinen damaligen Brötchergeber gebaut habe und die – da er meinen Rat beim Verlassen der Firma hinsichtlich Software-Updates ignoriert hatte – mittlerweile nicht mehr im Netz ist, da sie ein Jahr später gehackt worden war. Wobei ich bereits 2005 über sechs intensive Jahre an Erfahrung im Bau von Webseiten und eine entsprechende Ausbildung verfügte.

Ich schätze, dass auch auf Agentur-Seiten Bedarf besteht an Freelancern, die für wenig Geld klar definierte Aufgabenbereiche übernehmen können. Nicht umsonst sind Langzeitpraktikanten bei vielen gern gesehen. Ich habe von den damaligen Bewerbern derzeit drei als Honorarkräfte engagiert, ein vierter wird wohl bald noch kommen. Dabei profitieren alle Seiten:

Die Agentur: In meinem Fall bekomme ich die aktuelle Auftragslage gut in den Griff. Ich kann Routinearbeiten wie das Einbringen von Content in Joomla delegieren und mich um andere Dinge kümmern.

Die Studenten: Erhalten über meine Agentur Aufträge, an die sie sonst nicht gekommen wären. Sollte ein Kunde, den sie aquirieren, ihre Kompetenzen überfordern, können sie wiederum meine Agentur ins Boot holen. Dazu kann ihnen ein späterer Nachweis „hat für die Agentur mehrere Projekte realisiert“ mit einem entsprechenden Arbeitszeugnis durch mich Vorteile bei der Jobsuche verschaffen. Schließlich nicht zu vergessen der Wissenstransfer von meiner Seite zum Studenten, dessen Kenntnisse professioneller werden. Dies alles sollte die etwas geringeren Einnahmen (allerdings auch in Verbindung mit weniger Zeitinvestition) pro Projekt locker ausgleichen.

Der Kunde: Zahlt weniger, als wenn die Seite komplett von Selbständigen erstellt worden wäre. Sicherlich kostet ihn das Projekt mehr, als wenn nur ein Student dran gesessen hätte. Dafür erhält er aber auch kompetente Beratung, ein professionelles Layout, eine weitestgehend sichere Website, die darüber hinaus suchmaschinen-optmiert und benuterfreundlich ist sowie Service-Dienstleistungen wie laufende Betreuung oder schnellstmögliche Updates. Allein die Aufnahme in meinen Kunden-Newsletter, der Informationen und hilfreiche Tipps enthält, ist für manche Gold wert.

Insgesamt eine Win-Win-Win-Situation 🙂

Kommentare (6) Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr geehrter Autor,

    wir benötigen momentan dringend Studenten für Joomla Kontentpflege können Sie uns diesbezüglich ein paar Kontakte weiterleiten.

    Sie erreichen mich telefonisch unter. 0176-642 690 14.

    Mfg
    Mikolei

  2. Hallo Frank,
    toller Beitrag der mir zu 100% aus der Seele spricht da ich in der haargenau gleichen Situation wie du bist.

    Mach weiter mit so interessanten Beiträgen.
    lg
    Walter

  3. Die Frage ist wie ich an Studenten komme die z.B. ein Jommla schon einmal aufgesetzt haben. Gibt es dafür eine spezielle Börse oder machst du einen Aufruf z.B. über deine Webseite. Wie sieht es mit der haftung aus. übernimmst du für die Arbeiten der Studenten die Haftung gegenüber dem Kunden oder liegt die bei den Studenten?

  4. Hi Stefan,
    über Uni-interne Netze oder Joomla-Jobbörsen. Wenn meine Firma Seiten umsetzt, bin ich dem Kunden gegenüber dafür verantwortlich, wenn meine Mitarbeiter Mist bauen.
    Keine Ahnung, ob deine Frage ernstgemeint war. Den Link zu atomstrom.biz habe ich allerdings entfernt. Ich linke ja gern, aber ich muss mir nicht jeden Schwachsinn antun.

  5. Hallo,

    wir benötigen für unsere Firma dringend einen Studenten/in oder Schüler/in, die eine Webseite kurzfristig erstellen kann, natürlich gegen Zahlung.
    Wir stehen unter Zeitdruck und bitten daher um schnelle Reaktion.
    Danke für die Hilfe.
    Sabine

  6. Ich find es schade wenn Unternehmen Studenten die aus dem Informatik Bereich kommen ausnutzen, hab das schon mal bei Komilitonen erlebt, da war die Bezahlung eigentlich „lächerlich“ und geleistet haben sie im Vergleich zu einem gelernten Informatiker oft das selbe wenn nicht sogar was besseres…

    Aber muss dazu auch sagen das ich schon echt Positives erlebt habe und selber als Student gute Erfahrungen gemacht habe.

    Also finde das es dem Kunden egal sein kann wer das geleistet hat, wenn das Endprodukt stimmt.

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